Ich brauch einen Carer!

 

Leute, kann das Leben entspannt sein. Ich lag 3 Tage durchgehend im
Bett, konnte weder sprechen noch essen, selbst Arlene hat sich um
mich gekümmert und wären die Schmerzen nicht gewesen, hätte es die entspannteste Woche in meiner Zeit hier sein können.

Aber nochmal von vorne. Nachdem meine Stimme sich entschieden hatte
eine Pause zu nehmen verbrachte ich den gesammten Sonntag im Bett (Fortsetzung: letzter Blog) und
schrieb Arlene eine Notiz, dass es mir nicht gut geht und ich zum Arzt
gehe, sollte es nicht besser werden. Doof dabei ist wieder einmal,
dass Engländer die Feiertage die aufs Wochenende fallen auf den
kommenden Montag verschieben (hatte ich nicht dran gedacht). Aufgrund dessen bin ich dann (auf anraten von Arlene)
Sonntagabend zum Arzt, da das auch keinen Unterschied machte. Also
ging es mit dem von Arlene gerufenen und bezahlten Taxi ins Walk-in- Center des nächstgelegenen Krankenhauses. Ich hatte es mit wie eine
Notaufnahme, mit stundenlangem warten vorgestellt, aber so war's
garnicht. Es gab vorher einen Termin mit 15 min-Zeitfenster und der
wurde auch eingehalten. Die Behandlung war zwar auch dementsprechend
aber so ist das halt. Blick in den Mund und der Spruch 'nimm die
Tabletten 3 mal täglich und gurgel mit Paracetamol gegen die
Schmerzen".
Also nahm ich das so hin, ließ mir von der blöden unfreundlichen
Schnepfe am Empfang einen Taxi rufen und fuhr wieder zurück. Der
Montag brachte auch keine Besserung aber Pia bat freundlicher Weise an
mir Gesellschaft zu leisten und sie schien Gefallen daran zu haben
mich ohne Stimme zu erleben. Also führten wir "Schreibgespräche" um
uns zu verständigen. Auch wenn es mir keine Besserung brachte verging
die Zeit schneller und es war schön nicht alleine in diesem mickrigen
Raum zu versauern. Danke nochmal Pia !
Der Dienstag verlief wie der Montag, keine Stimme, kein Essen, nur
notgedrungen etwas zu trinken von Zeit zu Zeit und die Tabletten
runterzwingen. Leider kein Besuch aber viel Schlaf und die Schmerzen
blieben mir treu. Mittwoch nahm ich mir dann nochmal vor zum Arzt zu
gehen, besorgte mir Jonas als Kommunikationshilfe, Begleitung und
Kumpane und Jonas machte einen tollen Job! Erst wurde mein GP
(Hausarzt) angerufen, der erst für Freitag nen Termin hatte und
deswegen ging es wieder zurück ins Walk-in-Center, wo ich Sonntag schon war und dort nahm dir Story ihren Lauf.
Nach einer ca. 20 minütigen Wartezeit kamen wir dann ins
Behandlungszimmer, vor Ort 3 Krankenschwestern und ich legte meinen
zuvor schriftlich erarbeiteten Krankenbericht vor (da ich immer noch
nicht sprechen konnte), ich weiß garnicht ob die Damen begriffen haben
das ich ihnen alles aufgeschrieben habe, denn sie fragten trotzdem
10mal nach
und Jonas durfte in meinem Namen erklären. Egal. Also wir spielten das
Ding nochmal durch, ich sollte den Mund öffnen und danach schaute ich
in erschrockenen Gesichter, die Eine meinte gleich das ich hier flasch
sei und man garnicht für sowas ausgerüstet ist. Häää...hab ich die
Seuche oder was? Beulenpest? Pocken? Cholera??? Nein, hatte ich nicht!
Dennoch entschied man sich dafür eine weitere offensichtlich nicht minderunkompetente Krankenschwester hinzuzuziehen. Bei dieser netten Dame scheiterte es
schon daran, den richtigen Patienten zu finden. Das war
folgendermaßen. Jonas und ich nahmen im Vorzimmer platz und die Nurse lief an uns vorbei ins Behandlungszimmer, kein Ding kann ja passieren.
Als die andere Krankenschwester sie darauf hinwies das wir draußen
warten reagierte sie erstmal nicht. Stattdessen ging sie auf den Patienten
im Behandlungszimmer zu und wurde ein zweites mal darauf hingewiesen,
dass das der falsche Patient ist. Erneut reagierte sie nicht und bat
stattdessen, den Patienten im Behandlungsraum den Mund zu öffnen. Als
sie diesesmal vom Patienten und ihrer Kollegin auf ihren Fehler
aufmerksam gemacht wurde hatte selbst sie es verstanden! Ich will
nicht unhöflich klingen aber als Patient kann man dann schon mal sein
Vertrauen in diese Leute verlieren! Ich tat es, wobei ich letztendlich
froh war, dass überhaupt was passiert. Also schaute auch sie mir in
den Mund und rief einen Krankenwagen, denn man hatte Angst, dass die
Vergrößerung der Schwellung mir meine Atemwege versperren könnte und
es gefährlich werden würde. Es folgte ein paar Telefonate, um herauszufinden
in welches Krankenhaus es gehen soll, bis dann der Krankenwagen eintraf.. Die Frau hatte auch gleich ihr gesamtes Equipment
bei und machte mir ein wenig Angst, dass sie die volle Pallette gleich
rausholt. Glücklicherweise war das nicht der Fall. Ein paar Momente
später (man war immernoch am Suchen wo es hingehen soll) traf dann
noch ein richtiger RTW ein, wenigstens waren die locker drauf. Mir war
mittlerweile eh alles egal, blöde auf die Leute um mich herum
einbrüllen konnte ich aus bekannten Gründen nicht und da ich eh schon
nen geschwollenen Hals hatte konnte ich auch keinen mehr bekommen.
Aber mein kleines Herz puckerte mit leicht erhöhter Gescwindigkeit vor
sich hin und meinen Puls konnte ich an meinem Hals spüren.
Letztendlich war ich glücklich, dass wir dann endlich in Richtung RTW
liefen, wobei wir in diesem auch 20 Minuten rumsaßen, da man noch auf
irgendwelche Formulare warten musste. Stellt sich letztendlich die
Frage, warum man so eine Panik schiebt, wenn alles sowieso ewig dauert?
Letztendlich ging es dann zur HNO-Klinik nähe King's Cross, dort
angekommen mussten wieder einmal Formulare ausgefüllt werden und es
hieß wieder warten. Nach einer knappen Stunde kam dann die
Krankenschwester um uns mitzuteilen, dass der Arzt gleich Mittagspause
und Schichtwechsel hat und meine Weiterbehandlung dann in ca. 45 min
erfolgen wird. Leicht angepisst und wortlos gingen Jonas und ich dann
zu seiner Wohnung (er wohnt gleich um die Ecke) und ich konnte meinen
Puls wieder an meinem Hals spüren. Ich glaube an diesem Tag war ich
wirklich zwischen totaler Gleichgültigkeit, Bedenken und einem
Tobsuchtanfall. Es ging letztendlich wieder ins Krankenhaus und nach
erneutem 30 min warten bekam ich dann wirklich einen richtigen Arzt zu
sehen, dass worauf wir zu diesem Zeitpunkt 4,5 Stunden suchten. Es ist
kaum zu glauben aber dann begann wirklich die Problemlösung! Es ging
wieder los, ich machte mit nicht ganz wenig Schmerzen den Mund auf und
er schob gleich einen metallernen Gegenstand nach, mir schoßen die Tränen in die Augen und dann begannen er zu erklären, was er
jetzt vorhatte. Betäubung, Schnitt, Spritze, absaugen, fertig. Klang
einfach und das war es für ihn sicherlich auch. Er legte wieder los,
es folgten Schmerzen, Würgereiz, Tränen, ekelhafter Geschmack im Mund
und irgendwann (nach der siebten etleerten Spritze) dann das worauf
ich gewartet hatte, es war vorbei! Die Schmerzen waren sofort weitaus
weniger, die Schwellung kleiner, meine Stimme teilweise wieder da und
nach einem Zwischenstopp beim Apotheker durfte ich dann gehen. Zur
Feier des Tages und aufgrund seiner Bemühungen lied ich Jonas zum
Milchshake ein (wobei mir wieder einfiel, dass Mc Donald's Milkshakes
keinen Geschmack haben) und so endete mein Mittwoch. Donnerstag
gönnten ich mir nochmal Ruhe und Freitag war ich dann in der Lage
Leute zu treffen. Ich lebte wieder! Es ging auf einen DVD-Abend zu den Kolumbianern und unsere Standardgruppe war auch dabei.

Samstag traf ich mich dann mit Götz und Jens an der Oxford Street und
später mit Alexa auf nen Eis. Abends ging es dann zur "Salsa-Party",
wobei meine Fitness nicht durchhielt und ich relativ früh ging und
Sonntag wurde Geburtstag auf kolumbianisch gefeiert. Naja, kind of.
Zum Abschluß des Wochenendes ging es dann noch mit Silke, Pia und Jens zum Spanier Paella essen und jetzt bin ich total K.O.


Fazit der Woche:
Krank sein in der Ferne kann auch angenehm sein, viele Smsen, Mails,
gute Besserungs Wünsche und einen liebenswerteren Besuch am
Krankenbett kann man sich garnicht wünschen. Als ich wieder halbwegs
fit war, waren alle froh, dass ich wieder dabei bin.
Das ist anders als zu Hause, da hieß es immer: 'Ja, schön das es dir wieder gut geht.
Dann bemerkste jetzt vielleicht, dass sich der Geschirrspüler nicht
von alleine ausräumt!'

 

In dem Sinne....tschüß Nachbarn 

 

9.5.11 23:14

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